INDUSTRIE-ROUTE AM FLUSS SVITAVA

Löw – Zwicker – die Arisierung jüdischen Eigentums

  • Die siebente Station der Industrie-Route am Fluss Svitava

Auf dem dreieckigen Grundstück zwischen der Cejl-Straße und dem Fluss Svitava liegt das Gelände der ehemaligen Textilfabrik, die von Adolf Löw in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet wurde. Adolf Löw stammte wie die meisten Mitglieder der ersten Generation jüdischer Unternehmer aus einer armen Familie aus der Region Vysočina. Er machte eine Ausbildung zum Weber und wurde nach der Gründung einer Weberei zusammen mit seinem Schwager Bedřich Schmal zu einem der bedeutendsten Unternehmer Österreich-Ungarns. Nach und nach verlegte er die Textilproduktion nach Vysočina nach Malý Beranov und Helenín, wo er sie auch seinem nicht minder erfolgreichen Sohn Karl übergab. Er verkaufte die Gebäude in der Cejl-Straße im Jahr 1900 an die Firma Himmelreich & Zwicker, die dort die Textilproduktion fortsetzte.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten die meisten Textilunternehmen jüdischen Besitzern, die aus armen Familien mit einer Textilproduktionstradition oder dem Verkauf von Textilwaren stammten. Innerhalb von ein bis zwei Generationen gelang es diesen „Selfmademen“, Fabrikimperien aufzubauen, die weit über die Grenzen Österreich-Ungarns und des Nachfolgestaats Tschechoslowakei hinausgingen. Während der Zeit der Ersten Republik bekannten sich die meisten jüdischen Geschäftsleute zur deutschen Staatsangehörigkeit und ihre Hauptkommunikationssprache war Deutsch.

Während der politisch turbulenten 1930er Jahre und mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland begannen die politisch klügeren Menschen, nach Auswegen aus dem bedrohten Europa zu suchen. Einige von ihnen hatten Erfolg, aber die meisten blieben in der Tschechoslowakei, und nach der Schaffung des Protektorats Böhmen und Mähren lastete die volle Wucht der sogenannten Nürnberger Gesetze auf ihnen. Diese seit dem 1. Januar 1938 in Deutschland geltenden gesetzlichen Regelungen verbot es Juden, Handel und Gewerbe zu betreiben und gewerbliche Dienstleistungen anzubieten. Auf deren Grundlage wurden deutsche Unternehmen „arisiert“. In der Praxis bedeutete dies, dass in jüdischen Betrieben ein Zwangsverwalter eingesetzt wurde, der zwei Möglichkeiten hatte. Entweder führte er das ihm anvertraute Unternehmen in die Insolvenz, oder er verkaufte das Unternehmen zu sehr günstigen Konditionen, meist an sich selbst. Die ursprünglichen jüdischen Eigentümer wurden nicht nur aus ihren Unternehmen, sondern auch aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben und in ehemalige Arbeiterwohnhäuser im Bereich der Straßen Cejl, Francouzská und Bratislavská umgesiedelt. Von dort wurden sie anschließend in Konzentrationslager transportiert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden ehemals jüdische, nun arisierte Firmen gemäß Erlass des Präsidenten der Republik als deutsches Eigentum beschlagnahmt. Wenn die ursprünglichen Eigentümer das Glück hatten, den Holocaust zu überleben und sie die Rückgabe ihres Eigentums verlangten, gelang es ihnen meist nicht, die Restitution bis 1948 durchsetzen. Nach dem kommunistischen Putsch wurde diese vom Tisch gewischt und niemand befasste sich weiter damit. Anschließend wurden die meisten Brünner Textilfabriken in den Werken Vlněna und Mosilana zusammengefasst.

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