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Die sechste Station der Industrie-Route am Fluss Svitava
Die Fabrik für Plüsch und Webpelz von Moritz Fuhrmann entstand 1872 in der Cejl 72, aber erst 1895 wurde sie von Fuhrmann gekauft. Das interessanteste Objekt des gesamten Geländes ist zweifellos das 1913 erbaute Gebäude im hinteren Teil des Grundstücks in Richtung des Flusses Svitava. Da auf dem bereits bestehenden Fabrikgelände kein Platz für den Bau ausgedehnter Erdgeschosshallen war, griffen Unternehmer und Architekten auf Stahlbetonkonstruktionen zurück und errichteten mehrgeschossige Gebäude. In deren einzelnen Stockwerken befanden sich riesige, durch Stützsäulen gegliederte Räume, in denen die Spinnereien und Webereien untergebracht wurden.
Dies gilt auch für das Firmengebäude von Moritz Fuhrmann, bei dem der Architekt sogar die Fassade dieses reinen Zweckgebäudes mit interessanten Details wie den zentralen Risalit oder das dreieckige Tympanon, auf dem der Firmenname angebracht war, gestaltete. Die gesamte Fassade war durch große, in Stahlrahmen eingefasste Fabrikfenster gegliedert, was ihr eine poetische Leichtigkeit verlieh. Derzeit wird das Gebäude zu Wohnzwecken umgebaut und seine interessante Fassade ist im Zuge des unsensiblen Umbaus verschwunden, bei dem die großen Fenster durch kleine Fensteröffnungen ersetzt und die Fassade gedämmt wurde.
Moritz Fuhrmann war auch Eigentümer eines sehr interessanten Wohnhauses, das unwissentlich die Geburtsstunde eines weiteren architektonischen Juwels darstellte. Es handelt sich um eine Familienvilla, die in der Drobného-Straße (ehemals Parkstraße) am unteren Rand des Hangs von Černá Pole gebaut wurde. Das repräsentative Gebäude im Jugendstil entstand im Jahr 1903 nach dem Entwurf des Wiener Architekten Alexander Neumann. Aus der damaligen Presse erfahren wir, dass sich in der Villa vier Wohnungen mit insgesamt 14 Zimmern und 7 Schränken, 3 Küchen, 2 Bädern und 6 Toiletten befanden. Der gesamte Grundriss des Hauses ist um eine zentrale Halle mit Holzvertäfelung und einer Glasdecke zentriert, durch die Tageslicht einfällt.
Nach dem Tod von Moritz Fuhrmann im Jahr 1913 verkauften die Erben die Villa für 290.000 Kronen an einen anderen Textilindustriellen namens Alfred Löw-Beer – daher ist sie heute als Villa Löw-Beer bekannt. Alfred Löw-Beer schenkte seiner Tochter Greta, verheiratet mit Tugendhat, den oberen Teil des zur Villa gehörenden Grundstücks und ein unbegrenztes Budget für den Bau eines Einfamilienhauses. Aus der ursprünglichen Jugendstilvilla Fuhrmann entstand schließlich die Villa Tugendhat, eines der bekanntesten Architekturdenkmäler Brünns.
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