INDUSTRIE-ROUTE AM FLUSS SVITAVA
Die Gebrüder Samek – jüdische Unternehmer in Brünn
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Die fünfte Station der Industrie-Route am Fluss Svitava
Bereits im Mittelalter gehörte zu Brünn eine jüdische Gemeinde, die im unteren Teil der Masarykova-Straße, rund um die Františkánská-Straße und den Římské náměstí (Römerplatz) errichtet wurde. Die Synagoge stand an der Stelle der heutigen Maria-Magdalena-Kirche, und der jüdische Friedhof befand sich vor den Stadtmauern im Bereich des Hauptbahnhofs. Im Jahr 1454 erließ König Ladislav Pohrobek ein Dekret zur Vertreibung der Juden aus den königlichen Städten. Von diesem Jahr bis 1848 verschwanden die Juden praktisch aus dem Leben der Stadt Brünn. Mit abwechselnden Erfolgen gelang es ihnen, bestimmte Privilegien zu erlangen, meist jedoch mit ungewissem Ausgang. Der einzige Ort, an dem Juden, die geschäftlich nach Brünn kamen, übernachten durften, war das Gasthaus Nový svět in der Křenová-Straße.
Im Jahr 1726 trat das sogenannte Familiantengesetz in Kraft, das nur dem ältesten Sohn einer jüdischen Familie die Heirat erlaubte. Dieses Gesetz zwang eine große Zahl von Juden zur Umsiedlung aus Mähren nach Ungarn. Maria Theresia ließ daraufhin alle Juden aus den Gebieten der böhmischen Krone vertreiben. Bessere Zeiten brachen 1792 an, als das Toleranzpatent von Josef II. veröffentlicht wurde. Eine endgültige Lockerung erfolgt erst nach dem Jahr 1848, als die letzten Rassentrennungsvorschriften aufgehoben werden und Juden zu vollwertigen Bewohnern der Monarchie werden. Dies ist auch der Zeitpunkt, an dem die Gründer späterer Unternehmerfamilien wie Gomperz, Löw, Löw–Beer, Stiassni und andere aus ganz Mähren und Galizien nach Brünn kommen.
Im Jahr 1853 wurde in Brünn mit dem Bau der ersten Synagoge begonnen und ein Jahr zuvor wurde in Židenice ein neuer jüdischer Friedhof eröffnet. Die größte Blütezeit erreichte die jüdische Gemeinde während der Ersten Republik, als beispielsweise das Jüdische Realreformgymnasium in der Hybešova-Straße (die ehemalige Villa des Textilunternehmers Skene) und viele andere Bildungs- und Kultureinrichtungen eröffnet wurden. Leider wurde die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung nicht nur in Brünn, sondern im gesamten Protektorat während des Zweiten Weltkriegs dezimiert.
Die Firma Gebrüder Samek entstand im Jahr 1868 in der Cejl 38 und wurde von Jakob Samek zusammen mit seinen Brüdern Johan und Albert gegründet. Sie spezialisierte sich auf die Herstellung von festen Baumwollstoffen, Anzugstoffen und Kammgarnstoffen nach englischem Muster. Die Firma war auf vielen europäischen Messen sehr erfolgreich. Für seine verdienten Arbeiter gründete Jakob Samek eine Premium-Sparkasse. Die Firma bestand zwei Generationen lang und wurde 1935 liquidiert.
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