KLEINE ROUTE

Brünner Drache, Wagenrad und Türmchen

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  • Sie finden sie unter der Adresse Radnická 8

  • Der Brünner Drache mit dem Wagenrad im Durchgang.

  • Das krumme Türmchen am gotischen Portal des Rathauses

Zwei Symbole Brünns – der Drache (oder Krokodil?) und das Wagenrad – finden sich im Durchgang des Alten Rathauses, das dritte – das Türmchen – an dessen gotischem Portal. Das Alte Rathaus ist der älteste Profan-/Zivilbau in Brünn und seit dem 1. Juli 2024 Nationales Kulturdenkmal. Es ist noch nicht bekannt, wie genau es mit dem Brünner Drachen war, aber beim Rad und beim Türmchen ist die Legende klar!

Der Brünner Drache sagt über sich:

Ich hänge jetzt hier nur so rum und die Leute amüsieren sich über mich, aber so war es definitiv nicht immer.

Ich kam von irgendwo aus dem Osten angeflogen und Brünn hat mir so gut gefallen, dass ich hier gelandet bin. Zwischen Líšeň und Slatina habe ich mir ein Zuhause geschaffen, so eine Art Nest, und ich fraß alles, was ich sah. Am besten war das, was aus der Umgebung auf die Brünner Märkte fuhr. So fraß ich zum Beispiel Frauen aus Tuřany mit Kraut, Winzer aus Mikulov habe ich mit Veltliner und Frankovka heruntergespült, und zum Nachtisch hatte ich Imker aus Břeclav. Ich verachtete auch nicht die Schafe und Ziegen, die ringsum weideten. Das war ein Leben.

Aber für die Brünner war ich ein Alptraum. Sie zitterten vor Entsetzen, wenn sie mich nach dem Mittagessen brüllen hörten. Einmal kam ein junger Metzgergeselle in die Stadt und überlegte, wie mich Brünn loswerden könnte. Er erbat sich von den Ratsherren ein Kuhfell, das er mit Kalk füllte und zunähte. Naja und ich, dummer Drache, habe das Ding gefressen. Es war so ekelhaft, dass sich mein Maul sofort verzog und ich die Sauerei mit etwas Wasser herunterspülen musste.

Ich bin zu den Ufern der Svratka geflogen und habe dort so viel Flusswasser getrunken, wie ich konnte. Einen Tag lang floss nichts mehr im Fluss. Und dann fing es an in mir zu blubbern, zu pfeifen, zu hämmern, zu zischen, dann war es eine Weile still, ich sagte mir, puh, es ist ausgestanden. Aber schließlich gab es so etwas wie einen Knall und ich zerriss in hundertvierundsiebzig Stücke. Und nicht alle wurden gefunden. Es hat unheimlich lange gedauert, bis sie mich wieder zusammengeflickt und ausgestopft im Rathausdurchgang aufgehängt haben.

Und so hänge ich jetzt hier herum und die Leute amüsieren sich über mich. Ach ja.

 

Ein Krokodil von Matthias?

Die häufigste Überlieferung besagt, dass der Markgraf Matthias der Stadt Brünn das Krokodil im Jahr 1608 schenkte. Es heißt, er sei ein großer Tierliebhaber gewesen und habe das Krokodil von den Türken erhalten. Da das Tier jedoch starb, als Matthias gerade durch Brünn reiste, hinterließ er es der Stadt als Denkmal. Die Brünner stellten es zunächst auf dem Krautmarkt aus und hängten es nach einigen Tagen im Durchgang des Alten Rathauses auf. Allerdings wurden bereits viele Jahre zuvor, also in den Jahren 1568, 1578 und 1579, Rechnungen für die Wiederbelebung des Drachen durch einen Maler, die Restaurierung und eine Entwurmung ausgestellt. Einem anderen Bericht aus dem Jahr 1584 zufolge wurde der Drache sogar getrocknet und geräuchert. Es konnte also nicht Matthias gewesen sein…

 

Ein Drache aus Trutnov?

Eine andere Legende erzählt vom Jahr 1006, als in der Nähe der Stadt Trutnov ein großer Drache getötet wurde. Im Jahr 1024 schenkten die Trutnover dessen Haut dem jungen Fürsten Břetislav auf der Landtagsversammlung in Brünn. Allerdings existierte die Stadt Brünn als solche in diesem Jahr noch nicht, und schon gar nicht konnte hier eine die Landtagsversammlung stattfinden. Die erste urkundliche Erwähnung von Brünn findet sich erst im Jahr 1091, und sogar erst 1243 wurde Brünn zur Stadt. Die Trutnover und Břetislav können es also auch nicht gewesen sein…

 

Ein Drachenorden für Brünn?

Auch die Burg Spielberg gab einen möglichen Hinweis. Hier wurde nämlich eine Steinfliese mit dem Wappen von Kaiser Sigismund (er war 1419–1423 Markgraf von Mähren) gefunden, umrahmt von einem Drachensymbol. Sigismund verlieh seinen Anhängern den sog. Drachenorden, und Brünn könnte ihn auch erhalten haben. Ist es also möglich, dass die Brünner zur Erinnerung an dieses Ereignis eine „Drachenhaut“ am Rathaus aufgehängt haben…?

 

Drache oder Krokodil?

Im Jahr 1781 schlugen die weisen Köpfe der damaligen Zeit vor, zu untersuchen, ob der Drache nicht zufällig ein Krokodil ist. Im 19. Jahrhundert gab es weitere Untersuchungen, die größtenteils bestätigten, dass die Krokodilhaut nicht älter als 200 Jahre ist. Zu derselben Meinung tendieren auch die heutigen Biologen. Wenn das wahr ist, musste die Haut wahrscheinlich schon mehrmals ausgetauscht werden, und die ganze Sache mit dem Brünner Drachen ist dadurch noch mysteriöser…

 

Was wissen wir mit Sicherheit?

Das gegenwärtige Exemplar im Durchgang des Alten Rathauses ist ein weibliches Nilkrokodil. Es hat eine Länge von fast 5 Metern und wiegt fast 200 Kilo. Die Krokodilhaut ist mit einer Metallstruktur verstärkt und mit Gips ausgegossen. Die Haut ist echt, das Alter ist jedoch nicht bekannt. Aber sie sah nicht immer so aus…

Noch nach dem Zweiten Weltkrieg sah man ein Krokodil schlaff im Gang hängen, mit losem Kopf und losen Gliedmaßen. Seine heutige majestätische Gestalt geht auf das Jahr 1956 zurück, als es einer wirklich großen Rekonstruktion unterzogen wurde: So wurden beispielsweise die Zähne und Augen korrekt eingesetzt und ein Holzbrett aus seinen Eingeweiden gezogen, das nach der Rekonstruktion dort verblieb, die von den Deutschen während des Krieges durchgeführt wurde. Die einzigen Dinge, die an dem Krokodil also nicht ursprünglich sind, sind die Zähne, Augen und Krallen.

Im Jahr 2024 erlangte der Drache erneut große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, da er zum Brünner Weihnachtsfest einen Pullover erhielt und vor Freude Feuer spuckte. Was kommt als nächstes? Die Geschichte geht weiter, seien Sie mit dem Drachen ein Teil davon.

 

Und wie war das mit dem berühmten Lednicer-Brünner Wagenrad?

Mein Name ist Georg Pirk oder Birk, wie Sie möchten. Ich komme aus Lednice. Das kennen Sie bestimmt. Es ist eine kleine Stadt, fast fünfzig Kilometer von Brünn entfernt, und heute glänzt dort das Minarett. Ich arbeite als Stellmacher in Lednice. Das bedeutet, dass ich Holzräder für Wagen und Kutschen herstelle. Das Geschäft läuft ganz anständig, das kann ich nicht leugnen.

Nach der Arbeit gehe ich immer in die Kneipe. Den Kopf freimachen. Einmal, als meine Freunde und ich bereits unseren achten Krug tranken, wettete ich aus Stolz oder Gott weiß warum, dass ich innerhalb eines Tages einen Baum fällen, daraus ein Rad machen und das Rad eigenhändig bis nach Brünn rollen würde. Am Morgen stehe ich auf und frage mich, wie ich ins Bett gekommen bin, und plötzlich schießt mir die schreckliche Wette durch den Kopf.

Du lieber Himmel! Ich zog schnell meine Hose an und ging in den Wald. Gegen halb acht war der Baum schon in der Werkstatt und ich begann mit der Arbeit am Rad. Das war gerade fertig, als die Sonne direkt über dem Haus stand. Die Zeit war wie im Fluge vergangen. Ich habe das Rad aus Lednice gerollt, na, die Leute haben mich angesehen, als wäre ich verrückt … und los ging‘s. In Židlochovice musste ich zwei Würste herunterschlingen. Es blieb nicht einmal Zeit zum Beißen und ich eilte weiter nach Brünn.

Spielberg tauchte irgendwann nach sieben Uhr in der Ferne vor mir auf und es war noch ein langer Weg. Puh, ich habe es geradeso geschafft. Sie schlossen das Tor direkt hinter mir. Am nächsten Tag ließ ich mir im Rathaus eine Bescheinigung ausstellen und ließ das Rad dort stehen. Hauptsache, ich musste es nicht zurückrollen. Ich hatte die Wette gewonnen.

Die Lednicer Nachbarn waren um ein paar Goldstücke ärmer, und ich schwor mir ein für alle Mal, bei ähnlichen Wetten nicht zu vorschnell zu sein. Naja, und das Rad hängt bis heute im Rathaus.

 

Vom krummen Türmchen wird Ihnen sein Schöpfer selbst erzählen:

Gestatten Sie mir, mich Ihnen vorzustellen.

Mein Name ist Anton Pilgram und das Portal, das Sie hier sehen, ist eines meiner schönsten Werke. Nun, Sie werden sicherlich zugeben, dass es so ist.

Auch wenn ich hauptsächlich in Österreich und Ungarn arbeite, ist Brünn meine Heimatstadt, weshalb ich mich entschieden habe, den hiesigen Ratsherren zuzusagen und diese Arbeit anzunehmen. Sie war nicht einfach. Es hat wahnsinnig viel Zeit gekostet, all die Statuen und Steinmetzelemente zu meißeln. Und dann beschlossen diese gierigen Rüpel, widerlichen Glatzköpfe, eingebildeten Dickbäuche, mir für meine Arbeit viel weniger zu zahlen, als wir vereinbart hatten.

Und nicht nur das! Sie wollten, dass ich ihnen zur feierlichen Eröffnung des neuen Rathaustores ein Festmahl bereite. Für die paar Goldstücke, die sie mir letztendlich gegeben hatten. Ach ja. Also bin ich am Abend ein letztes Mal auf das Gerüst gestiegen und habe eines der Spitztürmchen so ausgerichtet, dass es krumm war. Kurz gesagt, damit ganz Brünn sieht, was für Gauner seine Stadt führen. Kaum war das Spitztürmchen fertig, packte ich meine Sachen und machte mich auf nach Wien. Sicher ist sicher.

Es wird erzählt, dass den Ratsherren sehr schnell alles klar war. Was keine Überraschung ist, wenn die ganze Stadt über sie lachte!

Und sie wollten das Spitztürmchen reparieren. Sie bezahlten einen Steinmetz, um es zu begradigen, aber am Morgen war es wieder so, wie ich es gemeißelt hatte. Ein Wunder wahrscheinlich.

Und was denken Sie, haben sie daraus gelernt? Keineswegs. Sie werden erkennen, dass die Brünner Stadträte anfangen, ihre Versprechen zu erfüllen, wenn sich das Spitztürmchen auf dem Portal von selbst aufrichtet.

Und soweit ich weiß, krümmt es sich dort heute noch.

 

Eintrittspreise

Öffentlich zugänglicher Ort

Adresse und Kontakt

Radnická 8
602 00 Brno

+420 542 427 150
vez@ticbrno.cz

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