ŠTETL FEST 2026
ŠTETL FEST ist ein internationales multidisziplinäres Festival jüdischer Kultur, das Geschichte, Gegenwart, Familiengedächtnis und eine lebendige Gemeinschaft miteinander verbindet. Die fünfte Ausgabe, die vom 26. bis 30. August 2026 stattfindet, steht unter dem Motto Rückkehr und widmet sich den Schicksalen von Menschen, Familien und Orten, die über viele Jahrzehnte zum Schweigen gebracht oder aus dem Gedächtnis der Stadt verdrängt wurden und nun in vielfältiger Form dorthin zurückkehren.
Der Höhepunkt des diesjährigen Festivals wird das Gedenken an die Große Synagoge von Brünn sein – ein verschwundenes Wahrzeichen der Stadt, das für einige Festivaltage erneut zu einem Ort der Begegnung, der Musik, des Theaters, des Gebets und einer gemeinsamen Schabbatfeier wird.
Im Mittelpunkt des Festivalgeschehens und der Dramaturgie steht das Grundstück, auf dem bis 1939 die Große Synagoge von Brünn stand. Das monumentale Bauwerk war ein Symbol der jüdischen Emanzipation und eng mit jener Zeit verbunden, in der Brünn als „mährisches Manchester“ galt. Hier wirkte Baruch Jakob Placzek, der letzte mährische Landesrabbiner und Angehörige einer Familie, deren Mitglieder das religiöse, wissenschaftliche und gesellschaftliche Leben Mitteleuropas maßgeblich prägten. Nachkommen der Familie Placzek werden in diesem Jahr aus mehreren Ländern der Welt nach Brünn sowie an ihre früheren Wohnorte in Ivančice und Alexovice zurückkehren und Teil des Festivalprogramms sein.
Dank der engen Zusammenarbeit mit den Nachkommen der Familie entstand die neue populärwissenschaftliche Publikation Placzek: Rabbiner, Wissenschaftler und Zeugen der Geschichte sowie eine Reihe weiterer Programmpunkte.
Am wiederbelebten Ort der Großen Synagoge entsteht ein Raum für Begegnungen, Diskussionen, Konzerte und neue künstlerische Projekte. Eines davon ist die eigens für den Ort der zerstörten Synagoge geschaffene Site-specific-Inszenierung Identität unter der Regie von Hana Mikolášková.
Die Aufführung verbindet authentische Aussagen von Menschen, die nach ihrem Verhältnis zur jüdischen Identität suchen, mit den Themen Erinnerung, Heimat und Zugehörigkeit.
An die Geschichte der Großen Synagoge knüpft im weiteren Zusammenhang auch die dritte Ausgabe des landesweiten Wettbewerbs Zeitmaschine: Orte der Erinnerung an. Eingereicht wurden 46 Kurzfilme von rund dreißig Grundschulen, weiterführenden Schulen und Kunstschulen. Die jungen Filmschaffenden begaben sich darin in der gesamten Tschechischen Republik auf die Spuren von Orten, deren Geschichten vergessen, verdrängt oder unterbrochen wurden. Die Bekanntgabe der Ergebnisse und die Vorführung der ausgezeichneten Filme finden während des Festivals in der Galerie U Dvou Polívků statt.
ŠTETL FEST ist in diesem Jahr somit nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch eine Möglichkeit, die Gegenwart besser zu verstehen.